Viele Länder. Viele Sprachen. Viele Freundschaften. Eine Klasse.

Im Schuljahr 2015/16 übernahm ich die Klassenleitung in einer unserer neuen fünften Klassen am Ohm-Gymnasium Erlangen. Auf der Klassenliste meiner 5c standen 27 Namen. Etwa die Hälfte der Schüler hatte einen Migrationshintergrund. Nicht ungewöhnlich. Eher sogar langweilig.

Als nach ein paar Schulwochen anfänglicher Harmonie die ersten ernsteren Streitsituationen zeigten, dass auch verbal zurückgeschlagen wurde und der kulturelle Hintergrund durchaus ein Thema war, haben wir einen Klassenrat einberufen und das Miteinander auf die Tagesordnung gesetzt. Diese 45 Minuten machten die Klasse 5c zu einem Projekt.

Ich machte den ersten Schritt und berichtete von meiner eigenen Migrationserfahrung: Ein neues Land mit 17, eine neue Sprache, sich fremd fühlen und zurechtkommen müssen, Freunde brauchen. Die Kinder folgten bereitwillig meinem Beispiel. Am Ende der Stunde stand fest: Von 27 Schülern unserer Klasse sprachen in nur drei Familien beide Elternteile Deutsch zu Hause. Zwölf unterschiedliche Länder, Sprachen und Kulturen trafen in unserem Klassenzimmer aufeinander. Wir stellten auch fest, dass Freundschaften sich völlig unabhängig davon bildeten, welchen Kulturen man angehörte. Wir haben beschlossen, genau das festzuhalten.

Zwei Wochen später gestalteten wir eine Wand im Treppenhaus unseres Gymnasiums: Viele bunte Plakate, eins für jedes Kind, mit Hinweisen auf sein Herkunftsland und seine Kultur. Farbige Fäden verbanden Plakate der Kinder, die miteinander befreundet waren. Es entstand ein richtiges Netz, das vor allem eins zeigte: Viele Länder. Viele Sprachen. Viele Freundschaften. Eine Klasse.

Kontakt: Anna Klassen ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )

 

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